Klockerkarkopf  2912 m

Unscheinbarer, wenig ausgeprägter Gipfel im östlichen Teil des Zillertaler Hauptkammes. Der Berg erlangte touristische Bedeutung durch die Erhebung zur "Vetta d'ltalia« 1904. Überraschend gut und informativ ist die Aussicht, besonders zur Venedigergruppe. Knapp unterhalb des Gipfels steht die verfallene Lausitzer Hütte, die auch als Unterstand nicht mehr zu gebrauchen ist. Erste Ersteigung durch Franz Hofer und Fritz Koegel am 10. Juli 1895, als Überschreitung von Norden her.
Die auf den meisten Karten angegebene Bezeichnung »Glockenkarkopf« ist unrichtig und sollte nicht verwendet werden. Der richtige Name »Klockerkarkopf« stammt aus dem Salzburgischen und ist nach einem Kar auf der Nordseite des Berges benannt, das zu dem Anwesen »Klocker« in Krimml gehörte.


Günstigster Anstieg, Normalweg. Im unteren Teil Geröll, im oberen Firn, Schrofen und plattige Felsen. Der Weg, der durch die Flanke zum Gipfel führt, ist zum Großteil verfallen, kann aber als Orientierungshilfe gut verwendet werden. Der auf einzelnen Karten noch verzeichnete kleine Gletscher am Fuß des felsigen Gipfelaufbaues ist als solcher nicht mehr vorhanden (Firnfeld).

Route: Ausgangspunkt ist die Abzweigung von Steigspuren hangzu vom Lausitzer Weg, 15 Gehminuten nördlich (d. h. in Marschrichtung zur Birnlücke) der Pfaffenschneide. In kleinen Kehren geht es im Kar aufwärts zu den Felsen unter dem Gipfel. Durch diese zieht sich der Steig den besten Möglichkeiten folgend weiter nach oben, wobei einige leicht ausgesetzte Stellen zu passieren sind.

Über den Klockerkarkopf ist vieles geredet und geschrieben worden, vor allem in politischem Sinne. Ausschlaggebend und politisch nicht ohne Auswirkungen war die Besteigung des Berges vom Ahrntal aus durch Ettore Tolomei mit seinem Bruder Ferruccio, einem Römer und zwei Trentiner Damen, Elvira und Ilda Tomasi, am 16. Juli 1904. Diese als absolute Erstbesteigung mehrfach (von Tolomei) veröffentlichte Exkursion hatte keinen bergsteigerischen Beweggrund, sondern sollte den nördlichsten Punkt Italiens aufsuchen, um ihm gemäß dem Recht des Erstersteigers den Namen »Vetta d'ltalia« (»Gipfelwarte Italiens«) zu geben. Hubert Peterka meinte dazu: »Diesen Gipfel hat Ettore Tolomei mit jener berüchtigten Expedition heimgesucht, die die »Erstbesteigung« durchführte (in Wirklichkeit schon zehn Jahre zuvor erstiegen] und den Gipfel »Vetta d'ltalia« taufte. Damit begann die systematische Ortsnamenfälschung in Südtirol, mit deren Hilfe dann 1919 auch Präsident Wilson getäuscht und bewogen wurde, der Zerreißung Tirols zuzustimmen.«

Die Tatsache, daß dabei am Gipfel in eine Steinplatte ein großes »I« eingemeißelt worden war, wobei der angeheuerte Bergführer Franz Gasser aus Prettau kräftig mithalf, ist verschiedentlich als signifikantes Indiz der Absichten Tolomeis ausgelegt worden. Dieser hatte, wie er selber zugibt {»Alla vetta d'ltalia. Prima ascensione della vetta più settentrionale della grande catena alpina spartiacque«, Torino 1905;
Sonderdruck], dem Führer zu verstehen gegeben, man wolle die Namensinitiale einer der Teilnehmerinnen an der Tour verewigen, was in Wirklichkeit aber - I - von Italia bedeuten sollte. Unabhängig von dieser Begebenheit sind aber am Unterfangen Tolomeis die wichtigsten Punkte falsch. Denn erstens war Tolomeis Gipfeltour keine erste Ersteigung, ja nicht einmal eine erste Begehung der von ihm begangenen Route. Die Erstbegehung war von Fritz Koegel 1895 durchgeführt worden, was dieser auch veröffentlicht hatte {Mitt. DuöAV 22, 1896].
Zweitens ist der Klockerkarkopf nicht der nördlichste Punkt der Wasserscheide in den Alpen sowie Italiens. Dieses Prädikat steht dem etwas weiter östlich gelegenen Westlichen Zwillingsköpfl zu, und zwar um 5" geographischer Breite 

Unterlagen nach R. Hartner - Seberich, »SchIern« 1960].

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